Mitglieder
Alamode
Arsenal
Camino
Cine Global
déjà-vu film
eksystent
farbfilm verleih
film kino text
Filmperlen
Filmwelt
FOUR GUYS
GMfilms
Grandfilm
Indep. Partners
jip film
Kairos
Kinostar
Koch Films
Kool
KurzFilmAgentur
Luftkind
mindjazz pictures
missingFILMs
Neue Visionen
One Filmverleih
Pandora Film
Piffl Medien
Port au Prince
PRO-FUN MEDIA
Rapid Eye Movies
Real Fiction
RENDEZVOUS
W-film
Weltkino







Positionen

6. april 2020

STABILITÄTSONDS FILM – AUSGESTALTUNG FÜR DEN TEILBEREICH VERLEIH


Als PDF herunterladen

Die aktuelle Krise hat massive Auswirkungen auf die gesamte Filmbranche. Die Verwerfungen, die aufgrund der aktuellen Situation im Bereich Verleih entstehen, sind noch nicht absehbar. Kurzfristig betrifft es die Verleiher massiv, deren Kinoauswertungen gestoppt wurden oder gar nicht erst begonnen werden konnten. Mittelfristig steht uns ein mit Starts völlig überfülltes zweites Halbjahr bevor, wobei sich die Situation hier aufgrund eventuell beschränkter Kapazitäten in den Kinos noch zusätzlich verschärft. Und langfristig droht 2021 und 2022 aufgrund abgebrochener oder verschobener Drehs ein Mangel an attraktiven Filmen.

Im Verleihbereich muss daher für ausreichend Liquidität gesorgt werden, um diese kurz-, mittel- und langfristigen Umsatzrückgänge und verlorenen Refinanzierungsmöglichkeiten zu kompensieren. Andernfalls droht hier ein breites strukturelles Versagen. Diesen Ansatz verfolgen bereits die KfW Darlehen, die jedoch vielen Unternehmen in der gesamten Filmbranche aufgrund mangelnder Eigenkapitaldecke und strenger Bonitätskriterien der Hausbanken nicht zur Verfügung stehen.

Neben all den bereits branchenweit diskutierten Erleichterungen (Sperrfristen, Lockerung von Herausbringungsverpflichtungen, Stundungen von Darlehen, etc.) ist es daher von essentieller Wichtigkeit, einen STABILITÄTSFONDS FILM aufzusetzen. Dieser sollte allen Branchenteilnehmer Zugriff ermöglichen, von Produktion über Dienstleister, Verleiher und Weltvertriebe bis hin zu den Kinos.

Um der gesamten Branche die benötigte Liquidität zuzuführen, wird unseren Schätzungen nach ein Gesamtvolumen von bis zu 500 Millionen Euro benötigt. Damit ist auch klar, dass die benötigten Mittel nur in einer gemeinsamen Anstrengung von FFA, BKM, Länderförderern und BMWi aufgebracht werden können. Für den Verleihbereich sehen wir eine Notwendigkeit von ca. 16,5 Millionen Euro. 

Die Ausgestaltung eines solchen Liquiditätsfonds für den Verleihbereich könnte wie folgt aussehen. Die Höhe der Liquiditätshilfen wird in fünf Kategorien unterteilt und richtet sich nach der Anzahl der in den letzten drei Jahren (2017, 2018, 2019) im Durchschnitt erreichten Kinobesucher. Für im Jahr 2019 gestartete Filme gelten dabei die Besucherzahlen bis einschließlich März 2020.

Kategorie 1: 

Bis zu 50.000 Besucher im Jahresmittel über die letzten drei Jahre

Bis zu 45.000,- Euro einmaliges, bedingt rückzahlbares Darlehen

Kategorie 2:

Mehr als 50.000 und bis zu 100.000 Besucher im Jahresmittel über die letzten drei Jahre

Bis zu 90.000,- Euro einmaliges, bedingt rückzahlbares Darlehen

Kategorie 3:

Mehr als 100.000 und bis zu 200.000 Besucher im Jahresmittel über die letzten drei Jahre

Bis zu 200.000,- Euro einmaliges, bedingt rückzahlbares Darlehen

Kategorie 4:

Mehr als 200.000 und bis zu 400.000 Besucher im Jahresmittel über die letzten drei Jahre

Bis zu 400.000,- Euro einmaliges, bedingt rückzahlbares Darlehen

Kategorie 5:

Mehr als 400.000 Besucher im Jahresmittel über die letzten drei Jahre

Bis zu 500.000,- Euro einmaliges, bedingt rückzahlbares Darlehen

Die Höhe dieser Liquiditätshilfen orientiert sich unter anderen an folgenden Kriterien: 

1.     Fixkostenanteil Betriebskosten

2.     Entgangene Umsätze durch den Abbruch aktueller Kinoauswertungen im März, April, Mai 

3.     Offene Forderungen aus Filmmieten der bis März ausgewerteten Kinofilme gegenüber 

     den Theaterbetreibern

4.     Bereits bezahlte Herausbringungskosten für ab Mitte März, April, Mail geplanter Kino-

     Filmstarts

5.     Unterbrechungskosten für die Synchronisierungen aktueller Kinofilme

Dieses Modell ist bewusst einfach konstruiert, sodass eine Prüfung der Berechtigung und das Handling möglichst schnell und unbürokratisch erfolgen kann. Daher wird ausschließlich auf Bezugsgrößen verwiesen, die zum Beispiel von Seiten der FFA kurzfristig nachvollzogen werden können, sodass eine aufwändige und langfristige Testierung nicht notwendig ist und schnelles Handeln möglich ist. Die Federführung und Verwaltung dieses Fonds sollte auch bei der FFA liegen.

Im Verleihbereich hängt der Grad der aktuellen Betroffenheit des Verleihs vom Timing seiner Release-Fensters ab, von den mittel- bis langfristigen Folgen der Corona-Krise sind aber alle Verleiher gleichermaßen betroffen. Die von uns oben skizzierten Liquiditätshilfen sollen eine Aufrechterhaltung der bestehenden Verleihinfrastruktur gewährleisten. Wir sind der Überzeugung, dass die Aufrechterhaltung einer vielfältigen Verleihlandschaft im Interesse der nationalen und internationalen Produzenten und deutschen Kinobetreiber liegt.

Diese Liquiditätshilfen sollten als unverzinsliche und bedingt rückzahlbare Darlehen ausgeschüttet werden. Es sollte möglich sein, mindestens 50% der Darlehen in einen Zuschuss umzuwandeln. Die genauen Rückzahlungsmodalitäten müssen in enger Absprache mit den beteiligten Institutionen kurzfristig zu klären sein. Antragsberechtigt sind alle Mitglieder von AG Verleih und VdF. 

Um diesen Fonds aufzusetzen, braucht es jetzt einen gemeinsamen Kraftakt von FFA, BKM, allen Länderförderungen und BMWi. Andererseits wird in Kauf genommen, dass der gesamten Filmbranche irreparable, strukturelle Schäden entstehen.

Johannes Klingsporn                                     Björn Hoffmann

VdF – Verband der Filmverleihr                      AG Verleih




8. april 2019

AG Verleih fordert Neuausrichtung der Filmförderung


Als PDF herunterladen

Wir wollen mit dieser Stellungnahme in möglichst kurzer und übersichtlicher Form die Positionen vorstellen, die für unsere Arbeit als unabhängige Filmverleiher von besonderer Relevanz sind.

Gerade in den letzten Jahren zeigt sich, wie wichtig die Arbeit eines Verleihs als Bindeglied zwischen Produktion und Kino und als „Agent“ des Filmes ist. In einem immer ausdifferenzierteren Marktumfeld ist ein engagierter Verleih der Schlüssel zum Erfolg im Kino. Ohne die Rückendeckung eines Verleihs verschwinden Filme heutzutage völlig in der Flut der Neustarts und können sich im Kino kaum noch behaupten. Da sich Politik und Marktteilnehmer jedoch darüber einig sind, welche gesellschaftliche Relevanz das Kino in der heutigen Zeit sowohl als kulturell-künstlerisches Angebot, aber auch als sozialer Ort der Begegnung von Menschen darstellt, müssen sich die Parameter der Förderung hin zu mehr Sichtbarkeit und Relevanz der Filme verändern. Die Ermöglichung guter Verleiharbeit sollte ganz klar ein Fokus einer Novellierung des Filmfördergesetzes sein.

 

Unsere Arbeit wird durch die Notwendigkeit zu immer kostenintensiveren Kampagnen erschwert. Im Kampf um die Aufmerksamkeit konkurriert das Kino inzwischen in allen Zielgruppen von jung bis alt mit immer mehr und immer neuen Formen der Freizeitgestaltung. Gleichzeitig steigt gerade bei dem Verleih deutscher Produktionen von Jahr zu Jahr das unternehmerische Risiko, da insbesondere höhere Mindestgarantien, auch von Seiten der Förderer, gefordert werden. Zusätzlich werden Einnahmequellen aus den Folgeverwertungsstufen durch die deutliche Zunahme von Rechteeinschränkungen seitens der koproduzierenden öffentlich-rechtlichen Sender extrem eingeschränkt. Und das, während der Lizenzankauf internationaler Arthouse-Filme durch die öffentlich-rechtlichen Sender immer weiter zurück geht.

 

Während also der Markt immer vielfältiger wird und die Erlöse zurückgehen, ist und wird der unabhängige Verleih immer mehr als Ko-Finanzierungspartner des Produzenten gefordert und verliert essentielle Absicherungen des unternehmerischen Risikos durch Rechtebeschneidungen zugunsten öffentlich-rechtlicher Sender.

 

Lag in den letzten FFG-Novellierungen stets der Schwerpunkt auf der Stärkung des Produzenten, fordern wir jetzt eine Neujustierung, mit der die Vermarktung der Filme in den Fokus der Betrachtung gestellt wird! Denn: Was nützen immer mehr deutsche Produktionen, die ohne eine relevante Kampagne ins Kino gebracht werden und somit keine Wahrnehmung und damit auch keine gesellschaftliche Relevanz mehr erfahren?!

 

Um gute Verleiharbeit auch weiterhin zu ermöglichen sollten bei der Novellierung daher folgende Punkte berücksichtigt werden:

 

1. Umdenken in der Vergabe der Fördermittel

Aus unserer Sicht ist es essentiell, dass ein Umdenken in der bisherigen Verteilung der Fördermittel stattfindet. Während die Produktionsförderungen und damit die Zahl der hergestellten Filme von Jahr zu Jahr steigen und immer neue Instrumente zur Filmfinanzierung etabliert wurden, stagniert die Höhe der Verleihförderung und die Besucherzahlen gehen zurück. Gleichzeitig beklagen inzwischen alle Branchenteilnehmer die geringe Sichtbarkeit deutscher Produktionen. Wir plädieren daher für eine deutliche Erhöhung der Verleihfördermittel. Ansonsten wird hier ein massives Ungleichgewicht zwischen Produktion und Vermarktung nur weiter verfestigt. Auf Bundesebene sollten über alle Förderinstrumente hinweg mindestens 30% der insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel für eine Stärkung der Filmvermarktung verwendet werden. In diese Forderung beziehen wir auch ganz klar ein Förderinstrument wie den DFFF ein, der bisher nur die Filmproduktion, jedoch nicht die Vermarktung fördert.

Im Haushalt des BKMs stehen aktuell weniger als 0,5% der Filmfördermittel (0,82 Mio.) für die Filmvermarktung zur Verfügung, während 85% (160 Mio.) in die Produktionsförderung von Kinofilmen und die Serienförderung fließen. Konkret fordern wir hier, dass zukünftig mindestens 15% der DFFF-Mittel und der selektiven BKM Produktionsfördermittel der Filmvermarktung zur Verfügung stehen müssen.

 

2. Sitz im Verwaltungsrat

Die AG Verleih fordert zum wiederholten Male einen eigenen Sitz im FFA Verwaltungsrat.

Unser Verband mit mehr als 30 Mitgliedern, die insbesondere im Arthouse-Bereich eine nicht zu unterschätzende wirtschaftliche Bedeutung haben und für eine einzigartige kulturelle Vielfalt stehen, muss sich in diesem Gremium wiederfinden. Fast ausschließlich durch die Risikobereitschaft und Verleiharbeit unserer Mitglieder kommen Filme aus den Wettbewerben der internationalen A-Festivals in die deutschen Kinos. Nicht zuletzt deswegen fordern wir erneut eine Repräsentanz unserer Positionen im Verwaltungsrat durch einen eigenen, dauerhaften Sitz.

 

3. Echte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Wir plädieren für eine neue Vergabepolitik unter Berücksichtigung der Wirtschaftlichkeit vieler Arthouse-Produktionen. Gerade kleinere und mittlere Filme erfüllen in gleichem, wenn nicht sogar deutlich höherem Maße, ihren Beitrag zur Rückführung der gewährten Fördermittel, im Gegensatz zu vielen hoch budgetierte Produktionen. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollte nicht mehr nur alleine an den absoluten Besucherzahlen, sondern an dem Verhältnis von Förderung und Kinobesuchern festgemacht werden. Auch um diese Wirtschaftlichkeit zu fördern und den wirtschaftlichen Erfolg zu belohnen, sprechen wir uns dafür aus, dass rückgezahlte Förderdarlehen zu 50% zurück in den Pool fließen und zu 50% dem Antragssteller als revolvierende Förderung wieder zur Verfügung gestellt werden.

 

4. Anerkennung von Vorlaufkosten als Verleihvorkosten

Weiterhin fordern wir die längst überfällige Anerkennung von im Vorfeld der Herausbringung anfallenden Kosten. Anders als in der Produktion werden im Verleih sämtliche im Vorfeld anfallenden Kosten wie Lektorat, produktionsbegleitende Verleiharbeit, Testscreenings, Software, etc. nicht als Teil der Vorkosten anerkannt und müssen allein aus dem Verleihanteil bestritten werden. Dies ist eine Ungleichbehandlung der Marktpartner und führt zu einer Verschärfung der ohnehin angespannten wirtschaftlichen Situation. Wir plädieren daher für eine pauschale Anrechenbarkeit der Vorlaufkosten in Höhe von 10% als Verleihvorkosten, gedeckelt bei maximal 20.000,- Euro, nicht zuletzt um endlich auch eine Harmonisierung auf Europäischer Ebene zu erreichen.

5. Entpflichtung von der Herausbringung

In den letzten Jahren ist ganz deutlich geworden, dass es den Markt negativ beeinflusst, wenn ein Film nur aufgrund der DFFF-Verpflichtung gestartet werden muss, obwohl der Film trotz bester Produktions-Voraussetzungen wider Erwarten keine Kinoqualität entwickelt hat. Wir plädieren für eine Möglichkeit zur Entpflichtung von der Herausbringung, ohne dass dem Produzent daraus Nachteile entstehen. Um die Finanzierungsinstrumente vor dem Zugriff reiner TV-Produktionen zu schützen, schlagen wir konkret vor, dass eine Entpflichtung nur dann statt finden kann, wenn die FFA und der federführende Länderförderer eine Verleihförderung für den konkreten Film ablehnen.

 

6. Anerkennung der Gesetzesform

Wir fordern, dass die FFA ihrem Geschäftsauftrag nachkommt. Dies sollte nur auf Basis des FFG und der von der Richtlinienkommission erarbeiteten Richtlinien geschehen. Eine Berufung auf Leitlinien und geübte Spruchpraxis widerspricht unserer Meinung nach der Erfüllung des Geschäftsauftrages und führt zur Intransparenz in den Förderentscheidungen und kann nicht im Sinne der Filmförderanstalt sein.

 

7. Sperrfristen

Wir sprechen uns klar für die Beibehaltung der Sperrfristen aus.

 

8. Home Entertainment / Folgeauswertung

Wir sind für die Anerkennung des Royalty-Modells bei der Videoauswertung durch das FFG, das bisher nur auf gesonderten Antrag zugelassen wurde, die Produzenten jedoch nachweislich nur in den seltensten Fällen schlechter stellt. Ebenso fordern wir, dass Erlöse aus den Folgeverwertungsstufen, die immer zur Absicherung der risikobehafteten Kinoauswertung zählten, auch weiterhin ohne Beschränkungen solange beim Verleih verbleiben müssen, bis die Investitionen in die Kinoauswertung erwirtschaftet sind. Die Nutzung dieser Rechte, vor allem in den Mediatheken öffentlich-rechtlicher Sender, ist mit dem Verleih abzustimmen und darf die Auswertung der Folgeverwertungsstufen nicht behindern.

 

9. Neustrukturierung der Medialeistungen

Die TV-Anstalten zahlen bis auf das ZDF ihren Beitrag zur FFA in Form von Sachleistungen, den „Medialeistungen“. Die Medialeistungen sind in ihrer derzeitigen Form eine als Zuschuss gewährte „On-the-top“-Förderung, von der die meisten potentiellen Antragsteller ausgeschlossen sind. Es ist schwer nachvollziehbar, warum der von den TV-Anstalten beigesteuerte Anteil an der Filmförderung in einem gesonderten Topf zu besonderen Bedingungen vergeben wird, wobei zusätzlich die Listenpreise der TV-Werbung ohne marktübliche Rabatte zugrunde gelegt sind. Wir schlagen deshalb vor, dass die TV-Anstalten - wie alle anderen Einzahler - Barmittel in den FFA-Förderhaushalt einzahlen. Sollte keine diesbezügliche Regelung getroffen werden, plädieren wir für eine Integration der Medialeistungen in die reguläre Fördervergabe als Darlehensförderung.

 

In der AG Verleih sind derzeit 32 unabhängige Filmverleih-Firmen zusammengeschlossen. Unsere Mitgliedsunternehmen zeichnen sich durch eine einzigartige nationale und inter-nationale Programm-Vielfalt aus und repräsentieren künstlerische Qualität und kommerziellen Erfolg.




2. april 2015

Statement der AG Verleih zum Territorialprinzip und zu Auswertungsfenstern


Unabhängige Filmverleihfirmen sind die treibende Kraft bei der Verbreitung Europäischer Filme innerhalb der Europäischen Union. Sie bringen Filme mit großem Engagement heraus. Sie knüpfen starke Netzwerke mit Regisseuren, Produzenten und Weltvertriebsfirmen überall in Europa. Strategien zur Herausbringung werden für jeden Film individuell entwickelt. Unabhängige Verleiher sind wichtige Partner für unabhängige Produzenten. Unabhängige Verleiher sollten folgerichtig die Verbündeten der Europäischen Kommission sein, da wir beide dieselbe Vision haben: europäische Filme einem europäischen Publikum zugänglich zu machen. Dennoch plant die Europäische Kommission das europäische Urheberrecht zu ändern und einen einzigen europäischen Markt zu schaffen. Diese Absichten bedrohen die Existenz der unabhängigen europäischen Filmverleiher und Produzenten. Letztendlich würden europäische Filme komplett verschwinden.

Filmfinanzierung in Europa hängt von Investitionen aus verschiedenen Ländern ab, von den Vorverkäufen in verschiedene Territorien und der Akquise von Geld um die Finanzierung zu schließen. Das Prinzip der territorialen Lizensierung abzuschaffen, würde nicht nur solche Netzwerke der Finanzierung zerstören. Es würde auch das Geschäftsfeld Filmverleih ausschließlich einigen wenigen multinationalen Konzernen überlassen. Diese würden Filme nicht nach den Bedürfnissen verschiedenartiger Märkte auswählen. Genauso wenig würden sie eine signifikante Anzahl an Europäischen Filmen erwerben und herausbringen.

Unabhängige europäische Verleiher müssen viele Fakten und Umstände bedenken, wenn sie ihre Herausbringungsstrategien planen: Gibt es nationale oder lokale Festivals, auf denen ein Film beworben werden kann? Können örtliche Ferien helfen, einen Film erfolgreicher zu machen? Sind Regisseure und Darsteller verfügbar für eine Promotiontour? Was ist mit der Presse? Sie müssen das ideale Startwochenende für den jeweiligen Film finden. Und außerdem: Sie werden die Arthouse-Kinobetreiber ihres Landes, die den Film spielen werden, nach ihrer Expertise fragen. Alle diese Dinge bedürfen einer genauen Kenntnis des jeweiligen nationalen Marktes. Sogar multinationale Konzerne behandeln einen Kinostart verschieden von Land zu Land. Sie benutzen individuelle Werbegestaltungen und individuelle Pressebetreuung und Promotion für jedes europäische Land. Same-day-Starts in ganz Europa im Kino oder online bedeuten Einschnittefür die gesamte Verwertungskette von Kinos, Verleihern, Weltvertrieben und Produzenten. Es würde innerhalb von kurzer Zeit zu einem Ausbluten der fragilen Europäischen Filmindustrie führen. Die europäischen Bürger würden europäische Filme dann nicht früher sehen, sondern gar nichtmehr. Anstatt die europäische Filmindustrie zu bedrohen, sollte ein neues europäisches Urheberrecht gestaltet werden, das die nationalen Märkte schützt. Der europäische Film muss unterstützt werden, damit er sein internationales Publikum findet.

Ein einziger europäischer Markt, bereinigt um die gesamte unabhängige Filmindustrie, wird nur noch als Futternapf für Hollywood oder vielleicht irgendwann bald Bollywood dienen. Unabhängige Arthouse-Filme herauszubringen wird schwieriger von Jahr zu Jahr. Aber wir glauben an unsere Arbeit und wir teilen die Visionen unserer Regisseure. Und wir zählen darauf, dass die unabhängigen europäischen Verleiher und die Europäische Kommission dieselbe Vorstellung zur Stärkung der europäischen Filmindustrie haben. Eine Vorstellung, die europäischen Filmen heute und in der Zukunft die Chance gibt, von einem europäischen Publikum gesehen zu werden. 

AG Verleih