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Positionen

7. dezember 2015

Stellungnahme zum Diskussionsentwurf eines neuen Filmförderungsgesetzes 2017


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2. STELLUNGNAHME DER AG VERLEIH ZUR NOVELLIERUNG DES FILMFÖRDERGESETZES 2017 IN ERGÄNZUNG ZUM DISKUSSIONSENTWURF DER BEAUFTRAGTEN DER BUNDESREGIERUNG FÜR KULTUR UND MEDIEN VOM 9.11.2015 UND DES „RUNDEN TISCHES“ VOM 16. UND 17.11.2015.

In der AG Verleih – Verband unabhängiger Filmverleiher e.V. – sind derzeit 35 unabhängige Filmverleih-Firmen zusammengeschlossen, die vor allem in den Bereichen des deutschen Films und des Arthousefilms tätig sind. Die auch im europäischen Vergleich ungewöhnlich vielfältige und lebendige Kinolandschaft verdankt sich zu einem nicht geringen Teil der Arbeit unserer Mitgliedsunternehmen, die immer wieder gezeigt haben, dass künstlerische Qualität und kommerzieller Erfolg kein Widerspruch ist.

Das FFG beinhaltet in seiner derzeitigen Fassung etliche Rahmenbedingungen, die den derzeitigen nationalen und internationalen Marktanforderungen nicht mehr entsprechen. Andere Regelungen scheinen allein auf die Bedürfnisse großer Unternehmen vor allem im Bereich des Mainstream-Kinos zugeschnitten und behindern die gesunde wirtschaftliche Entwicklung im Arthouse- Segment.
Nachdem die Aufmerksamkeit der Filmpolitik sich in den letzten Jahren vor allem auf die Produktionsförderung gerichtet hat, sehen wir nun die dringende Notwendigkeit, die Perspektive auf die Bereiche Filmverleih und Kino zu erweitern, um die gerade für den wirtschaftlichen und kulturellen Erfolg notwendige Vielfalt und Innovationskraft sicherzustellen.

Wir begrüßen sehr, dass im vorliegenden Entwurf die Drehbuchförderung gestärkt werden soll. Das ist ein maßgeblicher Schritt zu einer höheren Qualität der geförderten Projekte.

Als sehr positiv empfinden wir auch, dass neue Abgabeschuldner heran gezogen werden sollen. Das ist ein richtiger Schritt, um die ohnehin schon professionelle Arbeit der FFA noch effektiver zu gestalten und die Einnahmen auf einem konstanten Niveau zu halten.

Außerdem sind wir der Meinung, das die Beibehaltung des Verhältnisses von Projektfilm zu Referenzförderung essentiell für den kulturellen Film ist.

FOLGENDE PUNKTE SIND FÜR UNS JEDOCH DISKUSSIONSWÜRDIG:

1. Es muss gewährleitet werden, dass die AG Verleih, als einer der zwei wichtigen Verleiherverbände, einen Sitz im Verwaltungsrat der FFA erhält.

2. Die Pflicht zur Herausbringung von Filmen muss, unter bestimmten Vorrausetzungen und in engen Grenzen, aufgehoben werden können. Dies darf jedoch nicht mit unzumutbaren Härten für Produzenten oder Verleiher verbunden sein. Hier muss ein realistisches, den Marktgegebenheiten angepasstes, Vorgehen gefunden werden.

3. Wir fordern eine Anerkennung von Verleihhandlungskosten in Höhe von bis zu 10% der Vorkosten. Damit wäre auch eine Harmonisierung mit europäischer Verleihförderung möglich.

4. Im Sinne der Stärkung einer kulturellen Förderung sollten Einstiegeschwellen zur Referenzförderung herabgesetzt werden.

5. Wir sprechen uns ausdrücklich gegen einen grundsätzlichen Korridor in Verleihverträgen aus. Dies wäre ein völlig unverhältnismäßiger Eingriff in die Vertragsfreiheit zwischen Produktion und Verleih. Wir begrüßen daher, dass die Staatsministerin für Kultur und Medien, Prof. Monika Grütters und Ministerialdirektor Dr. Winands beim runden Tisch betont haben, dass sie die Forderung der Produzenten nach einem grundsätzlichen Korridor in Verleihverträgen ablehnen.

DIE NACHFOLGENDE KOMMENTIERUNG BEZIEHT SICH AUF DEN ENTWURF DES FFG IN DER FASSUNG VOM 9. NOVEMBER 2015 .

KAPITEL 2

ABSCHNITT 2

§6



VERWALTUNGSRAT
In Abänderung zur jetzigen Fassung des §6 erhebt die AG Verleih Anspruch auf einen der beiden den Filmverleihern zugesprochen Sitze im Verwaltungsrat.

§8
 AUFGABEN, SATZUNG, RICHTLINIEN

Als Mitglied des Verwaltungsrats erhebt die AG Verleih Anspruch auf ein Mitbestimmungsrecht bei der Benennung der in die Richtlinienkommission der FFA zu entsendenden Mitglieder. 

KAPITEL 2
ABSCHNITT 3

§ 12


PRÄSIDIUM


Als Mitglied des Verwaltungsrats erhebt die AG Verleih Anspruch auf ein Mitbestimmungsrecht bei der Benennung der in das Präsidium der FFA zu entsendenden Mitglieder. 

KAPITEL 2

ABSCHNITT 5

§21


FÖRDERKOMMISIONEN


Als Mitglied des Verwaltungsrats erhebt die AG Verleih Anspruch auf ein Vorschlagsrecht für die Besetzung der Kommission für Verleih-, Vertriebs- und Videoförderung. 

KAPITEL 4

ABSCHNITT 2

§47

BARIERREFREIE FASSUNG 
IN ANLEHNUNG AN § 40
 ABSATZ 8



„Eine barrierefreie Fassung eines Films ist eine Endfassung des Films in jeweils einer Version mit deutschen Untertiteln für hörgeschädigte Menschen und mit deutscher Audiodeskription in marktgerechter und kinogeeigneter Qualität.“
Für Sehbebehindertenfassungen sollten alle technisch verfügbaren Systeme zugelassen sein, auch die APP von Greta & Starks.

ABSCHNITT 4

AB §53



Die AG Verleih gegrüßt ausdrücklich die Beibehaltung der Sperrfristen.

KAPITEL 5

ABSCHNITT 2

REFERENZFÖRDERUNG
UNTERABSCHNITT 1

§74, ABSATZ 1

FÖRDERHILFEN, REFERENZPUNKTE



In Abänderung zur Vorlage sollte dem Hersteller Referenzförderung ab einer Höhe von 25.000 Referenzpunkten zustehen. Absatz 1 sollte lauten: Referenzfilmförderung wird dem Hersteller eines programmfüllenden Films mit Herstellungskosten bis zu 8 Millionen Euro gewährt, wenn der Film mindestens 25 000 Referenzpunkte erreicht hat. Für Filme mit Herstellungskosten von mehr als 8 Millionen Euro und weniger als 20 Millionen Euro beträgt die maßgebliche Referenzpunktzahl 300 000, für Filme mit Herstellungskosten von mehr als 20 Millionen Euro 500 000. Hat der Referenzfilm das Prädikat „besonders wertvoll“ der Deutschen Film- und Medienbewertung (FBW) erreicht, reduziert sich die zu erreichende Referenzpunktzahl jeweils um 50 000 Referenzpunkte.

§77

ERFOLGE BEI FESTIVALS UND PREISE
ABSATZ 1


ABSENKUNG DER BESUCHERSCHWELLE AUF 20 000



Die Berücksichtigung des Zuschauererfolgs im In- und Ausland sollte bei programmfüllenden Filmen voraussetzen, dass der Film im Inland eine Besucherzahl von mindestens 50 000 20 000 erreicht hat.

KAPITEL 7

FÖRDERUNG VON DREHBÜCHERN UND DER DREHBUCHFORTENTWICKLUNG

§103 FF



Die AG Verleih begrüßt die Veränderung zur Stärkung der Drehbuchförderung außerordentlich.

KAPITEL 8

FÖRDERUNG DES ABSATZES

ABSCHNITT 1

VERWENDUNG FÜR DEN VERLEIH UND VERTRIEB

§119
ABSATZ 1/STRICH 1-7



Ergänzend zu 1-7 sollte unter 8 eingefügt werden
Der Verleih darf zusätzlich bis zu 10 Prozent der Vorkosten, wie der Kosten der Herstellung von Kopien und von Werbemaßnahmen im Inland als Verleihhandlungskosten geltend machen. 

ABSCHNITT 2

REFERENZFÖRDERUNG FÜR VERLEIH- UND VERTRIEBSUNTERNEHMEN

§130
FÖRDERHILFEN, REFERENZPUNKTE

ABSATZ 1

ABSENKUNG AUF 25 000 REFERENZPUNKTE



Referenzförderung wird für den Verleih eines programmfüllenden Films im Sinne der §§ 41, 46, 47 und 48 oder der §§ 42, 44, 46, 47 und 48 gewährt, wenn der Film innerhalb eines Zeitraumes von einem Jahr nach Erstaufführung in einem deutschen Kino 100 000 25 000 Referenzpunkte erreicht hat.


§134
VERWENDUNG

ABSATZ 1



Ergänzend zu 1-7 sollte unter 8 eingefügt werden
Der Verleih darf zusätzlich bis zu 10 Prozent der Vorkosten, wie der Kosten der Herstellung von Kopien und von Werbemaßnahmen im Inland als Verleihhandlungskosten geltend machen. 

KAPITEL 11
FINANZIERUNG, VERWENDUNG DER MITTEL

UNTERABSCHNITT 3

FILMABGABE DER ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN FERNSEHVERANSTALTER

ABSCHNITT 1

§161

MEDIALEISTUNGEN



Die Medialeistungen sollten additiv zum in §163, Aufteilung des Aufkommens aus der Filmabgabe auf die Förderarten, Punkt 7 aufgeführten Leistungen definiert werden. 
Die 14 Prozent für die Projektabsatzförderung (§ 118), davon mindestens ein Viertel für die Förderung des Auslandsvertriebs sollten reine Geldleistungen sein. 

KAPITEL 12

§ 172

FÖRDERUNGSBERICHT


„Die FFA erstellt anhand der Angaben nach § 167 jährlich einen Förderungsbericht und leitet diesen der für Kultur und Medien zuständigen obersten Bundesbehörde zu.“ Transparenzforderung: Ergänzend veröffentlicht die FFA insbesondere alle Projektförderungen und Tilgungen inklusive der Referenzförderungen halbjährlich für die Auswertungszeiträume 1 .Januar bis 30. Juni sowie 1. Juli bis 31. Dezember zum Ende des jeweiligen Folgemonats auf ihrer Website. Aus der Darstellung sollte aus Gründen der Transparenz und Nachvollziehbarkeit jede Einzelprojektförderung, wie auch deren Tilgungsquote rückwirkend für die Dauer der Tilgungspflicht ersichtlich sein.




2. april 2015

Statement der AG Verleih zum Territorialprinzip und zu Auswertungsfenstern


Unabhängige Filmverleihfirmen sind die treibende Kraft bei der Verbreitung Europäischer Filme innerhalb der Europäischen Union. Sie bringen Filme mit großem Engagement heraus. Sie knüpfen starke Netzwerke mit Regisseuren, Produzenten und Weltvertriebsfirmen überall in Europa. Strategien zur Herausbringung werden für jeden Film individuell entwickelt. Unabhängige Verleiher sind wichtige Partner für unabhängige Produzenten. Unabhängige Verleiher sollten folgerichtig die Verbündeten der Europäischen Kommission sein, da wir beide dieselbe Vision haben: europäische Filme einem europäischen Publikum zugänglich zu machen. Dennoch plant die Europäische Kommission das europäische Urheberrecht zu ändern und einen einzigen europäischen Markt zu schaffen. Diese Absichten bedrohen die Existenz der unabhängigen europäischen Filmverleiher und Produzenten. Letztendlich würden europäische Filme komplett verschwinden.

Filmfinanzierung in Europa hängt von Investitionen aus verschiedenen Ländern ab, von den Vorverkäufen in verschiedene Territorien und der Akquise von Geld um die Finanzierung zu schließen. Das Prinzip der territorialen Lizensierung abzuschaffen, würde nicht nur solche Netzwerke der Finanzierung zerstören. Es würde auch das Geschäftsfeld Filmverleih ausschließlich einigen wenigen multinationalen Konzernen überlassen. Diese würden Filme nicht nach den Bedürfnissen verschiedenartiger Märkte auswählen. Genauso wenig würden sie eine signifikante Anzahl an Europäischen Filmen erwerben und herausbringen.

Unabhängige europäische Verleiher müssen viele Fakten und Umstände bedenken, wenn sie ihre Herausbringungsstrategien planen: Gibt es nationale oder lokale Festivals, auf denen ein Film beworben werden kann? Können örtliche Ferien helfen, einen Film erfolgreicher zu machen? Sind Regisseure und Darsteller verfügbar für eine Promotiontour? Was ist mit der Presse? Sie müssen das ideale Startwochenende für den jeweiligen Film finden. Und außerdem: Sie werden die Arthouse-Kinobetreiber ihres Landes, die den Film spielen werden, nach ihrer Expertise fragen. Alle diese Dinge bedürfen einer genauen Kenntnis des jeweiligen nationalen Marktes. Sogar multinationale Konzerne behandeln einen Kinostart verschieden von Land zu Land. Sie benutzen individuelle Werbegestaltungen und individuelle Pressebetreuung und Promotion für jedes europäische Land. Same-day-Starts in ganz Europa im Kino oder online bedeuten Einschnittefür die gesamte Verwertungskette von Kinos, Verleihern, Weltvertrieben und Produzenten. Es würde innerhalb von kurzer Zeit zu einem Ausbluten der fragilen Europäischen Filmindustrie führen. Die europäischen Bürger würden europäische Filme dann nicht früher sehen, sondern gar nichtmehr. Anstatt die europäische Filmindustrie zu bedrohen, sollte ein neues europäisches Urheberrecht gestaltet werden, das die nationalen Märkte schützt. Der europäische Film muss unterstützt werden, damit er sein internationales Publikum findet.

Ein einziger europäischer Markt, bereinigt um die gesamte unabhängige Filmindustrie, wird nur noch als Futternapf für Hollywood oder vielleicht irgendwann bald Bollywood dienen. Unabhängige Arthouse-Filme herauszubringen wird schwieriger von Jahr zu Jahr. Aber wir glauben an unsere Arbeit und wir teilen die Visionen unserer Regisseure. Und wir zählen darauf, dass die unabhängigen europäischen Verleiher und die Europäische Kommission dieselbe Vorstellung zur Stärkung der europäischen Filmindustrie haben. Eine Vorstellung, die europäischen Filmen heute und in der Zukunft die Chance gibt, von einem europäischen Publikum gesehen zu werden. 

AG Verleih




3. märz 2015

Positionen und Vorschläge der AG Verleih zur Novellierung des Filmfördergesetzes 2017


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In der AG Verleih – Verband unabhängiger Filmverleiher e.V. – sind derzeit 34 unabhängige Filmverleih-Firmen zusammengeschlossen, die vor allem in den Bereichen des deutschen Films und des Arthouse-Films tätig sind. Die auch im europäischen Vergleich ungewöhnlich vielfältige und lebendige Kinolandschaft verdankt sich zu einem nicht geringen Teil der Arbeit unserer Mitgliedsunternehmen, die immer wieder gezeigt haben, dass künstlerische Qualität und kommerzieller Erfolg kein Widerspruch ist.
Die AG Verleih wurde eingeladen, eine Stellungnahme zur Neufassung des Filmfördergesetzes (vsl. gültig ab 2017) abzugeben. Das FFG beinhaltet in seiner derzeitigen Fassung etliche Rahmenbedingungen, die den derzeitigen nationalen und internationalen Marktanforderungen nicht mehr entsprechen. Andere Regelungen scheinen allein auf die Bedürfnisse großer Unternehmen vor allem im Bereich des Mainstream-Kinos zugeschnitten und behindern die gesunde wirtschaftliche Entwicklung im Arthouse-Segment. Nachdem die Aufmerksamkeit der Filmpolitik sich in den letzten Jahren vor allem auf die Produktionsförderung gerichtet hat, sehen wir nun die dringende Notwendigkeit, die Perspektive auf die Bereiche Filmverleih und Kino zu erweitern, um die gerade für den wirtschaftlichen Erfolg notwendige Vielfalt und Innovationskraft sicherzustellen. 

    Folgende Aspekte der derzeitigen Filmförderpolitik halten wir für problematisch:
 

1. Die Schwerpunktsetzung der Filmförderung auf die Filmproduktion bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Bereiche Verleih und Kino.

2. Die drastische Zunahme der Verleihverpflichtungen vor Fertigstellung der jeweiligen Filme durch die Notwendigkeit von bindenden Verleih-Vorverträgen für die Produktionsförderung.

3. Die fehlende Verknüpfung von FFG mit wichtigen Einfluss nehmenden Regelungen wie z.B. DFFF und die nicht ausreichende Berücksichtigung innovativer Ansätze anderer bundesdeutscher Förderinstitutionen, vor allem der regionalen Filmförderungen.

4. Keine wirtschaftliche Bewertung der antragstellenden Firmen hinsichtlich bereits geleisteter Rückzahlungen von Fördergeldern.

5.Der Eingriff des FFG in die Vertragsfreiheit zwischen Produzent und Filmverleih, das Vorschreiben unflexibler Regelungen, die individuelle Absprachen, wie beispielsweise die international übliche COT-Regelung unmöglich machen. Auch ist die strikte Festlegung eines verbindlichen Budgets auf Drehbuchbasis wenig realistisch und hat sogar fast planwirtschaftliche Züge.

6. Der zunehmende Angriff der TV-Sender und parasitär agierenden VoD-Plattformen auf die Auswertungsfenster und die Auswertungsrechte der Lizenzgeber.

7. Die faktische Ausklammerung der TV-Sender aus der Beitragszahlung für die Filmförderung zugunsten der sehr fragwürdigen Vergabe von sogenannten »Medialeistungen«.


Das vollständige Dokument steht auf dieser Webseite als PDF-Datei zum Download bereit. AG Verleih

 




2. juli 2012

Stellungnahme AG Verleih zum Referentenentwurf BKM


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Grundlegendes: Mit großem Bedauern musste die AG Verleih feststellen, dass sich nicht nur wenige, sondern kaum einer der in der letzten Stellung­nahme unseres Verbands aufgeführten Punkte zur Novelle des FFG im aktuellen Referenten­entwurf des BKM wiederfindet. Die letzte Novellierung des FFG im Jahr 2009 zielte bereits auf eine zukunfts­orientierte Stärkung der Film­förderung ab. Nachdem Anfang des Jahres zahlreiche Stellung­nahmen unterschied­licher Verbände eingeholt, ein Runder Tisch in Anwesen­heit aller Vertreter der Film­branche zum Thema »FFG Novelle« abgehalten wurde, ist der AG Verleih jedoch weitest­gehend unklar, warum der vorliegende Referenten­entwurf des BKM so zaghaft bei der Umsetzung eines zeit­gemäßen und effektiven Film­förderungs­gesetz vorgegangen ist.
 

1. ORGANE / STÄNDIGE KOMMISSIONEN DER FFA:
Besonders fragwürdig erscheint der AG Verleih vor allem der Umstand, dass ihrem Gesuch, einen eigenen Sitz in Verwaltungs­rat und der Vergabe­kommission der FFA zu erhalten, nicht entsprochen wurde. Die AG Verleih vertritt als einziger Verband die film­politischen Interessen der unab­hängigen Verleiher. Sie treiben mit ihrer täglichen Arbeit die Umsetzung, Erweiterung, Erneuerung und den Erhalt eines enorm viel­fältigen Film­angebots im Kino maß­geblich voran und spielen gerade bei der Aus­wertung deutscher Filme auch eine gewichtige Rolle. Unsere Mit­glieder sollen trotz der für sie weitaus schwierigeren Markt­bedingungen auch weiterhin ermutigt werden, das ungewöhnlich vielfältige und anspruchs­volle Arthouse-Programm mitzugestalten. Durch die Repräsentanz des Verbands der unabhängigen Film­verleiher in Haupt- und Vergabe­kommission der FFA können nicht nur die Expertise und langjährige Erfah­rung unabhängiger Verleiher im Bereich Marketing und Vertrieb sach­kundige Ent­scheidungen in der Vergabe­politik fördern. Überdies würde unseren Mit­gliedern dadurch die notwendige Stimme, die ihnen als ernst­zu­nehmende Markt­teilnehmer gebührt, verliehen.

2. AUFNAHME NEUER VERWERTUNGSFORMEN IN DAS FÖRDERSYSTEM:
Die in der Stellungnahme der AG Verleih erforderte Mit­wirkung der neuen Verwertungs­teilnehmer wie Tele­kommuni­kations­unter­nehmen und Internet­anbieter am Abgabe­system wird im Referenten­entwurf nicht auf­gegriffen. Wir erachten es angesichts der sich durch ihre Teil­nahme verändernden Markt­bedingungen und Aus­wir­kungen in der Auswertungs­kette für unabhängige Ver­leiher für absolut notwendig, diese in das Abgabe­system mit einzu­beziehen.

3. WIRTSCHAFTLICHKEIT IN DER BEWERTUNG:
Die AG Verleih hat des weiteren mehr Wirtschaft­lichkeit, Effizienz und Transparenz seitens der FFA gefordert und sich verstärkt für eine Reform in Richtung zeit­gemäßes Film­förderungs­gesetz ausgesprochen. Die Forderung, im Falle von mehrfach aus­bleibende Rück­führungen gewährter Förder­mittel Sanktionen durchzuführen, spiegelt hierbei nur einen möglichen Ansatz wider. Wir halten weiterhin daran fest, dass es hinsicht­lich der mangelnden Aus­schöp­fung des Förder­etats und der niedrigen Rück­zahlungs­quote gewährter Förder­darlehen gilt, das derzeitig bestehende Ungleich­gewicht unbedingt zu reduzieren. Die Rück­führungs­quote sollte demnach zumindest im jähr­lichen Förderungs­bericht der FFA trans­parent dargelegt werden. 

4. REFERENZFILMFÖRDERUNG:
Die im Referenten­entwurf hervorgehobene Staffelung nach Budget­klassen im Bereich der Referenz­film­förderung stellt für die AG Verleih eine positive Entwicklung dar. Diese Fest­legung trägt der Erfolgs­bemessung eines Films nach Zuschauer­zahlen und Her­stellungs­kosten maßgeblich Rechnung. 

5. MITTELVERWENDUNG / VERLEIH- UND VERTRIEBSUNTERNEHMEN: Die prozentuale Erhöhung des Verleih- / Vertriebs­förderungs­anteils zur wesentlichen Stärkung der Förderung des Vertriebs wird von der AG Verleih in jedem Fall begrüßt.



AG Verleih




11. april 2012

Stellungnahme der AG Verleih zur »Gemeinsamen Stellungnahme des VdF, HDF, BVV und PA zur Novelle des FFG«


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Mit Interesse hat die AG Verleih – Verband Unabhängiger Filmverleiher e.V. die Stellungnahmen der verschiedenen Verbände und Beteiligten zur anstehenden Novellierung des FFG verfolgt, zuletzt die »Gemeinsame Stellungnahme des Verbandes der Filmverleiher, des Hauptverbandes der Filmtheater, des Bundesverbandes Audiovisuelle Medien und der Allianz Deutscher Produzenten«. Wir wollen der notwendigen und sinnvollen Diskussion über die verschiedenen Positionen nicht vorgreifen, aber doch auf einen zentralen Punkt dieser »Gemeinsamen Stellungnahme« eingehen.

Neben einzelnen Punkten wie der Verdoppelung der Kappungsgrenze bei der Referenzabsatzförderung auf 1,2 Mio. Besucher sind es insbesondere die Vorschläge in Punkt 5 der »gemeinsamen Stellungnahme« (Organisatorische Veränderungen), die Anlass zu großer Sorge über die grundsätzliche Richtung der vorgeschlagenen Positionen geben.

Für die Besetzung der in der Praxis der FFA-Filmförderung zentralen Vergabekommission sieht der Vorschlag vor: »Die inhaltliche Kompetenz der Vergabekommission ist zu stärken. Er [Sie] sollte künftig aus zunächst sieben Personen bestehen. Die Mitglieder werden von den jeweils aufkommensstärksten Verbänden aus den Bereichen Verleih, Videowirtschaft, Kino, Produktion sowie von der Deutschen Filmakademie, von der Politik/dem Parlament und von den Sendern benannt.«

Für die Besetzung des Präsidiums (das nach Vorschlag der vier Verbände nun zum »Aufsichtsrat« wird) wird im wesentlichen die gleiche Benennungsformel angeregt, bei vorgeschlagenen sechs Personen soll hier nur die Deutsche Filmakademie nicht mit dabei sein.

Die vier Verbände – Verband der Filmverleiher, Hauptverband der Filmtheater, Bundesverband Audiovisuelle Medien und Allianz Deutscher Produzenten – schlagen also vor, dass in der Zusammensetzung wesentlicher Organe und Gremien der FFA die Mehrheit der vier aufkommensstärksten Verbände verbindlich festgeschrieben wird: Das sind der Verband der Filmverleiher, der Hauptverband der Filmtheater, der Bundesverband Audiovisuelle Medien und die Allianz Deutscher Produzenten.

Wir halten es für inakzeptabel, dass die vier genannten Verbände in ihrer »Gemeinsamen Stellungnahme« wenige Tage vor der Branchendiskussion in Potsdam, zu der Vertreter aller relevanten Verbände eingeladen sind, einen solchen Vorschlag unterbreiten, der einen Generalvertretungsanspruch postuliert und der Vielfalt und Pluralität der deutschen Filmwirtschaft und der eminenten wirtschaftlichen und kulturellen Bedeutung beispielsweise der Verbände AG Verleih und AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V. für den Arthouse-Markt in keiner Weise gerecht wird.

Schon jetzt berücksichtigt die Vergabepraxis der FFA-Vergabekommission nach unserer Erfahrung die Belange und Interessen kleiner und mittlerer Verleihfirmen nur unzureichend; einige der Mitgliedsfirmen der AG Verleih verzichten inzwischen darauf, entsprechende Anträge auf Verleihförderung bei der FFA zu stellen. Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass nicht zuletzt aufgrund dieser restriktiven Vergabepraxis das Budget der FFA-Projektabspielförderung im Jahr 2010 weit unterschritten wurde; für das Jahr 2011 ist unserem Kenntnisstand nach eine ähnlich hohe Unterschreitung zu erwarten. Wir denken, dass eine Änderung dieser Vergabepraxis und erleichterte Zugangsbedingungen auch für kleinere Verleiher durchaus dazu beitragen könnten, die zuletzt veröffentlichte Rückzahlungsquote gewährter Förderdarlehen zu verbessern.

Wir freuen uns auf eine intensive und fruchtbare Diskussion aller Beteiligten über die Novellierung des FFG, die den Bestand der für die deutsche Filmwirtschaft zentralen Filmförderungsanstalt dauerhaft sichert und gestaltet. Voraussetzung dafür ist, dass diese Diskussion auf Augenhöhe stattfindet!

AG Verleih




2. januar 2012

Positionen und Vorschläge der AG Verleih zur Novellierung des Filmfördergesetzes 2014


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Im Folgenden werden wir die Positionen des Verbandes vorstellen, die wir in der Diskussion um die Novellierung des FFG 2014 für wichtig halten. In der AG Verleih – Verband unabhängiger Filmverleiher e.V. – sind derzeit 30 unabhängige Filmverleih-Firmen zusammengeschlossen, die vor allem in den Bereichen des deutschen Films und des Arthouse-Kinos tätig sind. Die – auch im europäischen Vergleich – ungewöhnlich vielfältige und lebendige Kinolandschaft verdankt sich zu einem bedeutenden Teil der Arbeit unserer Mitgliedsunternehmen, die immer wieder gezeigt haben, dass künstlerische Qualität und kommerzieller Erfolg kein Widerspruch ist. Mit einer Vielzahl von Kinoauswertungen sowie ihrer engagierten und kompetenten Verleiharbeit haben die unabhängigen Filmverleiher den Kinomarkt gerade in den Bereichen des jungen deutschen Films, wichtiger und vielfach preisgekrönter europäischer Koproduktionen unter deutscher Beteiligung, des Dokumentarfilms und des Kurzfilms voran gebracht.

GRUNDLEGENDE PROBLEME DES AKTUELLEN FFG
Die Marktsituation für unsere Mitgliedsfirmen hat sich in den vergangenen Jahren aufgrund verschiedener Faktoren jedoch erheblich verschlechtert, was leider auch an einigen Filmförderregelungen und ihrer Anwendung in der Praxis liegt. Das FFG beinhaltet in seiner derzeitigen Fassung etliche Rahmenbedingungen, die den derzeitigen nationalen und internationalen Marktanforderungen nicht mehr entsprechen. Andere Regelungen scheinen allein auf die Bedürfnisse großer Unternehmen vor allem im Bereich des Mainstream-Kinos zugeschnitten und behindern die gesunde wirtschaftliche Entwicklung im Arthouse-Segment. Wir wollen an dieser Stelle unterstreichen, dass wir sowohl die Filterfunktion des Filmverleihs als auch die Kompetenz der Filmverleiher bezüglich der Kinoauswertung – Markteinschätzung; bundesweites, regionales und lokales Marketing; Zusammenarbeit mit den Kinos – für einen entscheidenden Faktor gerade für den deutschen Film und die deutsche Kinolandschaft in ihrer bemerkenswerten Vielfältigkeit halten. Nachdem sich die Aufmerksamkeit der Filmpolitik in den letzten Jahren vor allem auf die Produktionsförderung gerichtet hat, sehen wir nun die dringende Notwendigkeit, die Perspektive auf die Bereiche Filmverleih und Kino zu erweitern, um die gerade für den wirtschaftlichen Erfolg notwendige Vielfalt und Innovationskraft sicherzustellen. Auch der zukünftige internationale Erfolg des deutschen Kinos wird sich zu einem guten Teil aus dieser Vielfalt schöpfen, die aber in der derzeitigen Marktsituation bedroht ist.
 

FOLGENDE ASPEKTE DER DERZEITIGEN FILMFÖRDERPOLITIK HALTEN WIR FÜR PROBLEMATISCH:

1. Die Schwerpunktsetzung der Filmförderung auf die Filmproduktion bei gleichzeitiger Vernachlässigung der Bereiche Verleih und Kino, womit paradoxerweise die deutschen Filme in der einheimischen Auswertung in ihrer Wettbewerbsfähigkeit geschwächt werden.

2. Die drastische Zunahme der Verleihverpflichtungen vor Fertigstellung der jeweiligen Filme durch die Notwendigkeit von bindenden Verleih-Vorverträgen für die Produktionsförderung bedeutet eine erheblich gesteigerte wirtschaftliche Beanspruchung des Verleihs, die weder gegenüber der Filmförderung noch gegenüber Lizenzgebern abzugsfähig und somit allein aus Verleih Überschüssen zu finanzieren ist. Diese Übernahme des zusätzlichen wirtschaftlichen Verleihrisikos erfolgt ohne Zusage einer möglichen Verleihförderung.

3. Die zunehmende Bedeutung der TV-Sender für die Vergabe von Kino-Fördermitteln – siehe z.B. die sogenannten »Fernsehtöpfe« der Regionalförderer und die weit verbreitete Praxis der TV-Sender, zur Schlussfinanzierung ihrer Koproduktionen die jeweiligen Produzenten zur Einholung von Kino-Fördermitteln zu verpflichten (ohne dabei die entsprechenden Sperrfristen einhalten zu wollen).

4. Die faktische Ausklammerung der privaten TV-Sender aus der Beitragszahlung für die Filmförderung zugunsten der sehr fragwürdigen Vergabe von sogenannten »Medialeistungen«, die zudem – bis auf sehr wenige Ausnahmen – allein dem vermeintlichen Mainstream-Film zugutekommen und dadurch eine Wettbewerbsverzerrung verursachen.

5. Die Erosion der Auswertungsfenster und der zunehmende Zugriff der TV-Sender auf Auswertungsrechte des Lizenzgebers bzw. Filmverleihs beim »Video on Demand«.

6. Der Eingriff des FFG in seiner derzeitigen Fassung in die Vertragsfreiheit zwischen Produzent und Filmverleih, der beispielsweise international übliche COT-Regelungen unmöglich macht.



1. FÖRDERSYSTEM

BEWERTUNG DER ERGEBNISSE DER FFG-FÖRDERUNGEN
Grundsätzlich liegt natürlich die Priorität der Filmförderung auf der Förderung der Filmproduktion – dies liegt auch im ureigensten Interesse der Filmverleiher. Dennoch muss festgehalten werden, dass sowohl für die Förderung des Filmverleihs als auch des Kinoabspiels zu wenig Fördermittel vergeben werden. Dieser Aspekt ist umso wichtiger, da sich die gesamte Kinobranche, Mainstream und Arthouse, mit den sich verändernden Konsumgewohnheiten gerade des jungen Publikums auseinanderzusetzen hat. Die Ansprache des Zielpublikums ist teurer geworden, weitere Kanäle hinzu gekommen wie Internet Marketing, Social Media Aktivitäten etc. Die deutlich veränderten Seh- und Konsumgewohnheiten verstärken daher die Wichtigkeit der Position der Vermarktung hinsichtlich eines Recoupments des Gesamtprojektes. Eine deutliche Erhöhung der Verleih- und Vertriebsförderung ist daher absolut notwendig.

Die vorgezogene Verleihförderung ist prinzipiell als richtiger Schritt zu werten, allerdings sehen wir hierbei noch Mängel in der Umsetzung. So ist die strikte Festlegung eines verbindlichen Budgets auf Drehbuchbasis wenig realistisch, hat sogar fast planwirtschaftliche Züge. Die über den DFFF realisierten jährlichen Zuwendungen in Höhe von ca. 60 Millionen Euro verstärken zusätzlich ein Ungleichgewicht der Förderausgaben zwischen Produktion und Markt und müssten entsprechend zusätzliche Fördermittel für den Verleih der Filme zur Folge haben.

Diese für den Verleih negative Tendenzen haben zwei wesentliche Konsequenzen: Erstens werden die Filmverleiher so in die Produktionsförderung einbezogen, dass sie zwar viel Arbeit haben, ihre Arbeit aber weder in die Förderung noch in die abzugsfähigen Vorkosten gegenüber den Lizenzgebern einbezogen wird. Konkret, die Anforderungen an das Lektorat sind in der Vergangenheit qualitativ wie auch quantitativ gestiegen. Der Druck der Produzenten hinsichtlich eines bindenden Verleihvertrages als Teil der Einreichung in die Produktionsförderung wird ungefiltert an den Verleihsektor weitergegeben. Nicht nur die Bewertung und Verwaltung der Vielzahl der eingereichten Projekte verursacht eine erhebliche Steigerung der Overheadkosten, auch die Folgebetreuung der Projekte bis zur Fertigstellung ist in keiner Verleihförderung gedeckt und schmälert die wirtschaftliche Ertragssituation des Verleihs. Aus dieser geänderten Marktsituation und damit deutlichen Verschlechterung der Position des Verleihs fordern wir eine Förder- und Lizenzrechtliche Anerkennung von mind.10% des Gesamtbudgets zur Abdeckung der gestiegenen Overheadkosten.

Zweitens wird damit ein System befördert, in dem Filme aufgrund ihrer Produktions-Förderverpflichtung auch dann ins Kino gebracht werden, wenn ihr Kinoerfolg selbst im kleinen Rahmen äußerst zweifelhaft ist. Die Kinoauswertung erfolgt so entweder wider besseres Wissen der jeweiligen Verleihfirmen oder durch Ersatzkonstruktionen wie ad-hoc entstandene Produktions-Verleiher. Die Qualität der Kinoauswertung ist dann entsprechend der mangelnden Marktfähigkeit und/oder Verleih-Kompetenz bedenklich, die Tendenz aber eindeutig: Filme (darunter viele TV – Produktionen) kommen schlecht vorbereitet ins Kino, sie enttäuschen das Publikum und entsprechen nicht den Ansprüchen einer wirtschaftlich orientierten Kinoauswertung. Wir schlagen daher eine Änderung in der Praxis der aktuellen Produktionsförderung vor, die den Verleih der jeweiligen Filme regelt: Es muss für die Produktionsseite (und den vorgesehenen Verleih!) die Möglichkeit geben, sich einzugestehen, dass bestimmte Filme trotz eines guten Drehbuchs und Produktionsförderung nach Fertigstellung eben nicht unbedingt ins Kino gehören und vielleicht ihren Platz vor allem auf den vielen internationalen und regionalen Festivals finden – ohne dass dies für die Produktionsfirmen zu einem direkten Nachteil (Rückzahlung der Förderung) führt.

Unsere konkrete Forderung an die FFA Gremien hinsichtlich dieser Situation ist, eine zeitversetzte Entscheidung auf Basis des fertigen Films herbeiführen zu können. Wenn z.B. grundsätzliche Partner der Produktionsförderung aufgrund des vorliegenden fertigen Films die Verleih- und Vertriebsförderung verweigern und damit die wirtschaftlich sinnvolle Auswertung des Films in Frage stellen, muss die Verpflichtung seitens des DFFF mit der vertraglich festgelegten Kopienanzahl und/oder Budgetgrößen abgeschwächt bzw. außer Kraft gesetzt werden. Es kann nicht das gesamte wirtschaftliche Risiko und die alleinige Erfüllung der Herausbringung eines nicht marktfähigen Produktes bei den Verleihern liegen und damit zusätzlich den Markt belasten.

MEHR WIRTSCHAFTLICHKEIT IN DER BEWERTUNG DER ANTRAGSTELLENDEN FIRMEN
Die Förderinstitutionen könnten die jeweiligen Produktions- und Verleihfirmen über einen mittelfristigen Zeitraum nach ihrem Gesamterfolg einschätzen und entsprechend ihre Förderzusagen oder Sanktionen verhängen. Die Einbeziehung einer stärkeren wirtschaftlichen Bewertung der beantragenden Firmen hinsichtlich der Quote von zurückgezahlten Fördermitteln in der Vergangenheit bzw. vernünftigen Kalkulation von Budgets und Umsetzung von Maßnahmen halten wir zukünftig für absolut entscheidend in der Vergabe von Fördermitteln. Bei der Vergabe von Fördermitteln bzw. zurückgezahlter Verleihförderungen fordern wir, dass zurückgezahlte Verleihförderdarlehen dem betreffenden Filmverleihunternehmen revolvierend zur Verfügung stehen sollten.

BEWERTUNG DER PROJEKT- UND REFERENZFILMFÖRDERUNG
Das Grundprinzip der zweigeteilten Förderung empfinden wir weiterhin als gut, auch die letzten Veränderungen sind in die richtigen Bahnen gelenkt worden. Das System hat sich unserer Meinung nach bewährt. Dennoch sehen wir es als wichtigen Punkt an, die bestehende Festivalliste zu überarbeiten. Hier sollte eine genauere Betrachtung der momentanen Festivallandschaft erfolgen. Die Aufnahme bedeutender Sektionen wie z.B. die Sektion Certain Regard der Filmfestspiele in Cannes erscheint unserer Meinung nach zeitgemäß. Hinsichtlich der Projektförderung sehen wir immer noch ein deutliches Missverhältnis in der Verteilung der Genres und Budgetklassen. Der unabhängige Film, der sich in den mittleren bis kleinen Budgetstufen wiederfindet ist deutlich unterrepräsentiert in der momentanen Vergabepolitik. Kleinere und mittlere Budgetstufen sind aber nicht automatisch mit fehlender Wirtschaftlichkeit zu vergleichen. Unabhängige Filme aus diesen Segmenten erfüllen in gleichem Maße ihren Beitrag zur Rückführung von Fördergeldern bzw. recoupen auch Produktionsfördermittel. Um hier eine deutlich gerechtere Vergabepolitik herbeizuführen, fordern wir eine Segmentierung der Vergabemittel hinsichtlich der unterschiedlichen Budgetgrößen.

ÄNDERUNGEN AM FÖRDERSYSTEM
Grundsätzlich sind uns die Richtlinien zu § 28 FFG einleuchtend. Eine Rückzahlung von Fördergeldern für die Filmproduktion darf nicht durch branchenunübliche Verträge z.B. mit Tochterunternehmen als Filmverleih umgangen oder verzögert werden. In der derzeit angewandten Interpretation – dass der Verleihanteil nicht über 35% liegen darf, solange nicht nur die Verleih- sondern auch die Produktionsfördermittel zurückgeführt sind – führt die Richtlinie allerdings zu einer erheblichen wirtschaftlichen Benachteiligung der unabhängigen Filmverleihunternehmen.

Ein Filmverleihunternehmen muss das Box-Office-Potential eines Films einzuschätzen und die jeweiligen Verleihvorkosten und ihre Finanzierung unter möglicher Inanspruchnahme von Verleihfördergeldern wirtschaftlich verantwortlich kalkulieren und die Herausbringung entsprechend durchführen – allein das liegt in seinem Verantwortungsbereich. Es kann, was die weitere Verteilung der Verleiherlöse nach Rückführung der Verleihvorkosten und der Verleihfördermittel angeht, nicht für die Produktionskosten des Films bzw. mangelnde Produzentenerlöse außerhalb der Kinoauswertung (z.B. internationale Verkäufe) verantwortlich gemacht werden.

Ein Filmverleihunternehmen, das bei einem Verleihprojekt mit einer dem Film angemessenen Herausbringungsgröße, einer sparsamen Wirtschaftsführung und erfolgreichem Marketing seinen Break Even und die Rückzahlung aller Verleihfördergelder erreicht, wird derzeit in der möglichen Vertragsgestaltung (Splitting) einem Unternehmen gleichgestellt, das diesen Erfolg nicht erzielt. Es wird die Qualität der Filmherausbringung sicherlich fördern – und damit auch Kinos und Produzenten zugutekommen –, wenn ein Filmverleih durch seine eigene Arbeit einen Punkt erreichen kann, an dem er mit einem Anteil jenseits der max. 35% an den Erlösen beteiligt wird. Es sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass sämtliche Overheadkosten – Personal, Büro, Projektvorbereitung, -betreuung und -nachbereitung, Materialversand, Kopienversand nach Start etc. – nicht Teil der Verleihvorkosten sind und allein aus dem Verleihanteil bestritten werden müssen.

Eine wirkliche Vertragsfreiheit zwischen Produzenten und Filmverleihern ist derzeit nicht gegeben. Es muss aus unserer Sicht möglich sein, intelligente und der jeweiligen Filmherausbringung angepasste Vertragsmodelle frei zu entwickeln und zu verhandeln. Beispielsweise sind die international durchaus üblichen COT-Lizenzmodelle mit einem anschließenden Splitting von 50/50 (bei denen der Filmverleih ein erhöhtes Risiko bei gleichzeitig erhöhten Erlösmöglichkeiten eingeht) derzeit nach FFG nicht möglich.

Wir schlagen daher folgende Regelung vor: Begrenzung des Verleihanteils auf 35%, bis die Verleihvorkosten (und entsprechend mögliche Verleih-Förderungen zurückgeführt sind); danach ist eine Erhöhung des Verleihanteils auf bis zu 50 Prozent möglich. Sind Produzent (bzw. Lizenzgeber) und das Filmverleihunternehmen wirtschaftlich miteinander verbunden, bleibt die bisherige Regelung zur Gänze bestehen. COT-Verträge, bei denen die Rückführung der Verleihvorkosten aus 100% Verleihnetto erfolgt und die einen anschließenden Verleihanteil von 50% erlauben, sind demgegenüber grundsätzlich möglich.

AUFNAHME NEUER VERWERTUNGSFORMEN UND FÖRDERUNGEN
Die Aufnahme neuer Verwertungsformen und Förderungen sehen wir nur in einem direkten Zusammenhang mit einer gleichzeitigen Regelung der Einzahlung. Sollte der Bereich VOD zur Disposition stehen und eine Partizipation am bestehenden Fördersystem erhalten, muss im Gegenzug eine eindeutige Regelung der Beteiligung an den Abgaben erfolgen. Aufgrund der momentanen Praxis hinsichtlich der Verwertung der VOD Rechte und der Nähe bzw. Gleichschaltung mit den DVD Rechten sehen wir keinen akuten Bezug, hier das FFG zu ändern.

2. ABGABEN

Zurzeit wird die FFA vor allem durch die Abgaben der Kinos und Filmverleiher (also der Kinoauswertung) und der Videowirtschaft finanziert. Vor allem seitens der privaten TV–Sender gibt es faktisch kaum eine Beteiligung. Weder in seiner Höhe noch in der Leistungsart entsprechen die Medialeistungen ernsthaft den Leistungen der anderen Branchenteilnehmer.

Das Programm der Medialeistungen der privaten Sender ist absolut ungenügend und verbleibt seit Beginn rechtlich unklar. Die praktizierten, aber nicht niedergelegten Vergaberichtlinien und die viel zu hohen Einstiegsgrößen führen zu deutlicher Benachteiligung und Ungleichbehandlung der unabhängigen Filmverleiher und damit faktisch des Arthouse-Kinos, des jungen deutschen Films und vor allem des Dokumentarfilms. Durch die bisherige Praxis entsteht durch die veranschlagten Gelder des privaten TVs eine Wettbewerbsverzerrung ausschließlich zu Gunsten von Kinostarts mit sehr vielen Kopien Auch durch die Beteiligung der öffentlich-rechtlichen Sender mit Medialeistungen am Gesamtvolumen dieser Förderung ist keine gerechtere Verteilung entstanden.

Sinnvoll im Sinn des FFG erscheint dagegen eine tatsächliche finanzielle Beteiligung der Privatsender an der Filmförderungsanstalt in vergleichbarer Höhe der aller anderen Branchenteilnehmer.

3. ORGANISATION DER FFA

Die AG Verleih fordert konkret einen eigenen Sitz im FFA Verwaltungsrat. Die Organisationsstruktur der FFA muss eine Veränderung hinsichtlich der Repräsentanz der kulturellen Vielfalt und der an Bedeutung gewinnenden Vermarktung erhalten. Ein Verband mit 30 Mitgliedern muss sich in diesem Gremium wiederfinden. Das Spektrum dieser Marktteilnehmer wird momentan von keinem anderen Vertreter repräsentiert.

Aus diesen Gründen fordern wir eine Repräsentanz unserer Positionen im Verwaltungsrat und einen Vollsitz in der Haupt- und Vergabekommission der FFA. Anteilig müssen mehr Verleiher in der Unterkommission Absatz vertreten sein, um die momentane, sich stetig wandelnde Marktsituation hinsichtlich der Vergabe von Fördermitteln wirtschaftlich einschätzen zu können.

FÜR DEN VORSTAND DER AG VERLEIH

Hans-Christian Boese (Piffl Medien)
Alexandre Dupont-Geisselmann (farbfilm verleih)
Torsten Frehse (Neue Visionen)
Birgit Gamke (die filmagentinnen)
Michael Höfner (GM Films)
Joachim Kühn (Real Fiction Filmverleih)
Thomas Matlok (Pandora Film)




17. august 2010

Stellungnahme des Vorstands der AG Verleih zum aktuellen BKM-Modell für die Digitalisierung der Kinos


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Der Vorstand der AG Verleih – Arbeitsgemeinschaft der unabhängigen Filmverleiher e.V. beobachtet mit großer Sorge die aktuelle Diskussion und die konkrete Entwicklung der Einführung des digitalen Kinos. Nachdem ein branchenweites Modell zum digitalen Roll Out mit definierten Finanzierungsanteilen von Verleihern, Kinos, Werbewirtschaft und Filmförderern – das von der AG Verleih unterstützt wurde – bisher nicht zustande kam, stellte der BKM auf der Expertenanhörung des Kulturausschusses des Deutschen Bundestags ein Modell vor, das in einer reduzierten Form Förderbeihilfen zur Einführung des digitalen Kinos vorsieht. Wir begrüßen den grundsätzlichen Ansatz dieses Modells, das von der Notwendigkeit von Förderbeihilfen gerade für kleinere Filmkunsthäuser ausgeht. Allerdings erscheint uns dieses Modell nicht ausreichend geeignet, um den vitalen Anforderungen des ohnehin schwierigen Arthouse-Marktes in der Praxis gerecht zu werden. Gleichzeitig werden durch die kürzlich angekündigten Digitalisierungs-Initiativen einzelner Kinoketten in Partnerschaft mit neu auf den Markt drängenden Teilnehmern Fakten geschaffen, deren Auswirkungen auf den unabhängigen Verleihmarkt äußerst besorgniserregend sind. Wir sehen uns einer Situation gegenüber, in der das bisherige Geschäftsmodell zwischen Kinos und Verleihern und damit der gesamte unabhängige Arthouse-Markt massiv gefährdet sind.

DREI BEREICHE ERSCHEINEN UNS BESONDERS WESENTLICH – TATSÄCHLICH GEHT ES DABEI UM DEN ERHALT DER EINZIGARTEN, VIELFÄLTIGEN KINO- UND FILMLANDSCHAFT IN DEUTSCHLAND:

1. KRITERIENKINOS FÜR DIE FÖRDERUNG DER DIGITALISIERUNG
Das aktuelle BKM-Modell berücksichtigt durch die Festlegung von Umsatzgrenzen zu Recht viele kleinere Kinos in der geplanten Digitalisierungsförderung. Allerdings wären die allerwenigsten Arthouse-Kinos oberhalb dieser Umsatzgrenzen in der Lage, die DCI-Digitalisierung selbst oder über den Markt zu finanzieren – schon jetzt ist die wirtschaftliche Lage dieser Kinos, die ihr Programm mit einem hohen Anteil an deutschen und europäischen Filmen gestalten, äußerst angespannt. Die Auswirkungen einer frei zu finanzierenden Digitalisierung dieser Kinos wären für den Verleihmarkt jenseits der Majors verheerend. Wir halten deshalb die Kombination von Umsatzgrenzen sowie kulturellen Kriterien wie das Abspiel deutscher und europäischer Filme und die Auszeichnung mit BKM-Kinoprogrammpreisen für unbedingt notwendig, um die Förderung der Kinodigitalisierung zu gestalten. Die dafür notwendigen finanziellen Spielräume würden sich auf einen Schlag durch den Verzicht auf den von Hollywood vorgegebenen DCI-Standard zugunsten von an die jeweiligen Gegebenheiten angepassten Lösungen ergeben.

2. DCI-STANDARD / E-CINEMA
Die Diskussion um die Umstellung der Kinoprojektion auf digitale Technik orientierte sich bislang fast ausschließlich an dem von den Hollywood-Majors gesetzten DCI-Standard. Tatsächlich ist der DCIStandard gerade für die mittleren und kleinen Arthousekinos technisch nicht notwendig – abhängig von Saal- und Leinwandgröße erzielen digitale Projektionen außerhalb dieses Standards (E-Cinema) absolut gleichwertige Ergebnisse bei nur ca. 35-50% der Umrüstungskosten. Bei Einführung des DCI-Standards müssten im übrigen die schon vorhandenen, technisch völlig ausreichenden und derzeit ohne VPF betriebenen E-Cinema-Anlagen im Arthousebereich teilweise wieder verschrottet werden.

Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es in der Praxis des analogen Kinos keine vorgeschriebene technische Standardnorm gibt: es bleibt den Kinos überlassen, mit welcher Lichtstärke sie ihre 35mm-Projektoren ausrüsten, welche Tonanlage sie verwenden, wie sorgfältig sie ihre Anlagen warten. Es ist aus unserer Sicht nicht einzusehen, warum diese jahrzehntelang bewährte Praxis durch die willkürliche Setzung einer Norm verändert werden soll, die neben technischen Standards in erster Linie die absolute Kontrolle des Blockbusterabspiels (Haus, Uhrzeit etc) durch die Majorstudios gewährleisten soll. Die Mitglieder der AG-Verleih dagegen setzen auch weiterhin auf eine Zusammenarbeit mit ihren Kunden, die auf Vertrauen und Sachverstand basiert.

Eine Öffnung des DCI-Standards zugunsten technisch gleichwertiger, an den Anforderungen und Möglichkeiten der jeweiligen Kinos ausgerichteter und ungleich preiswerterer Lösungen würde erhebliche finanzielle Spielräume für die flächendeckende Digitalisierung des Kinos und die entsprechenden Unterhalts- und Upgrade-Kosten eröffnen. Nur so können die in den vergangenen Jahren immer wieder beschworenen neuen Möglichkeiten des Digitalen Kinos wirklich zur Entfaltung kommen – die Knebelung durch den von Hollywood vorgegebenen DCI-Standard würde hingegen eine eindeutige Verschlechterung gegenüber dem analogen Kino zur Folge haben und die Branche dauerhaft mit unabsehbaren Folgekosten belasten.

3. »THIRD-PARTY«-MODELLE / VIRTUAL PRINT FEE (VPF)
Die ersten Kinoketten haben bereits die DCI-Digitalisierung mithilfe von sogenannten »Third-Parties« angekündigt –privaten Unternehmen, die sowohl in der Finanzierung der DCI-Digitalisierung wie auch in der technischen Dienstleistung engagiert sind. Soweit wir die bisherigen Geschäftsmodelle übersehen können, ist damit ein neuer Marktteilnehmer im Spiel, der im Nadelöhr des technischen Zugangs zur Kinoprojektion die Marktbedingungen wesentlich mitbestimmt. Nach den bisherigen Informationen ergeben sich dabei folgende schwerwiegende Probleme:

– Die »Third Parties« schließen nicht nur mit den jeweiligen Kinobetreibern Verträge zur DCI-Umrüstung und der entsprechenden Finanzierung, sondern auch mit den Verleihern, die ihre Filme dort zeigen wollen. Bereits jetzt ist bekannt, dass die »Third Parties« den Verleihfirmen sehr unterschiedliche Angebote machen – auf unabhängige Verleiher mit geringerem Marktanteil werden dabei mit großer Wahrscheinlichkeit dauerhaft höhere Kosten als bei der 35mm-Auswertung zukommen. Zudem erhöht sich – durchaus im Interesse der »Third Parties« – der Druck auf die Kinos, die Filme weniger lang einzusetzen, um mit dem nächsten Neustart wieder eine neue VPF einzunehmen. Nach unseren Informationen ist die Unterzeichnung einer Geheimhaltungsklausel Vorbedingung der Verhandlungen mit den bisher auf den Plan getretenen »Third Parties«. Verleiher mit einem Marktanteil von unter 2% wurden bisher überhaupt nicht angesprochen. Eine Transparenz und flexible, an den jeweiligen Anforderungen ausgerichtete Handhabbarkeit, wie sie das analoge Kino durch Vereinbarungen zwischen Kino- und Verleihverbänden sowie rechtliche Vorgaben des FFG garantiert, ist hier nicht gegeben.

– Frühere Modelle der Digitalisierung gingen davon aus, dass eine VPF (und damit der Finanzierungsanteil der Filmverleiher) einmalig pro Kopie fällig werden. Allein dieses Modell ist in der Praxis des Arthouse-Marktes gangbar. Nun sehen wir uns Bedingungen gegenüber, die eine VPF bei jedem Kino-Neueinsatz aufrufen: kürzere Einsätze in Programmkinos und die für das Arthouse-Segment essentiell wichtigen Einzel- und Sondervorstellungen wie Filmkunsttage, Kindervorstellungen oder Schulkino werden damit für Kino und Verleih mindestens unrentabel, vermutlich sogar wirtschaftlich unmöglich gemacht. Ein Abrücken von der einmalig pro Kopie fälligen VPF hätte damit verheerende Auswirkungen inbesondere auf den Arthouse-Markt.

– Ungeklärt ist für uns die Kompatibilität der VPF mit den Richtlinien der Filmförderung, sowohl der nationalen durch die FFA wie der Regionalförderung. Gehören die erst in der Auswertung entstehenden, nicht seriös kalkulierbaren VPFs zu den abzugsfähigen Verleihvorkosten? Lassen sie sich als Regionaleffekt bei den regionalen Filmförderungen darstellen? Auch hier lässt die Praxis aus unserer Sicht nur das Modell einer einmaligen, vorab kalkulierbaren VPF zu. Bei jeder anderen Regelung werden auf der einen Seite erfolglose Kinostarts noch teurer, während bei veritablen Kinoerfolgen ein Teil des Gewinns von »Third Parties« abgeschöpft wird, zulasten von Kinos, Verleihern und Filmproduzenten. Im Zusammenhang mit den »Third-Party«-Modellen ist aus unserer Sicht unbedingt sicherzustellen, dass Förderung nur bei Berücksichtigung der oben beschriebenen, für den Arthouse-Markt vitalen Kriterien gewährt wird, insbesondere bezüglich der VPF-Regelungen. Ebenso sollten umgehend das FFG bzw. die entsprechenden Richtlinien ein verbindliches Regelwerk für die sich durch die Digitalisierung des Kinos ergebenden Veränderungen insbesondere in Hinsicht auf kalkulierbare Filmherausbringungen vorgeben.

Es sei abschließend festgestellt, dass wir als unabhängige Filmverleiher der bevorstehenden Digitalisierung des Kinos weiterhin positiv gegenüberstehen und bereit sind, uns mit angemessenen Anteilen an ihrer Finanzierung zu beteiligen. Oberste Kriterien sollten dabei die Beibehaltung des offenen, unbeschränkten Zugangs zu den Kinoprojektionen und die Bewahrung, möglichst den Ausbau der einzigartigen und vielfältigen deutschen Kino- und Filmlandschaft sein. Die derzeitige Entwicklung des digitalen Roll Outs stellt nach unserer festen Überzeugung aber im Gegenteil eine massive Bedrohung dieser Kino- und Filmlandschaft dar, deren Auswirkungen noch nicht ausreichend durchdacht und berücksichtigt wurden.

Vorstand der AG Verleih




20. januar 2010

Eckpunkte-Erklärung der AG Kino-Gilde e.V., der AG Verleih e.V. und des Bundesverbands kommunale Filmarbeit e.V. zur Digitalisierung der Kinos in Deutschland


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1. Die AG Kino – Gilde deutscher Filmkunsttheater e.V., die AG Verleih – Arbeitsgemeinschaft der unabhängigen Filmverleiher e.V. und der Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V. vertreten unabhängige und mittelständisch geprägte Unternehmen, die sich vorrangig dem deutschen und europäischen Film sowie dem anspruchsvollen Kino verpflichtet fühlen. Sie haben ein vitales Interesse an einer flächendeckenden Digitalisierung der Kinos mit dem Ziel, die einzigartige inhaltliche und räumliche Vielfalt des deutschen Kinomarkts zu erhalten und zu stärken und die nationale Filmförderung zu sichern.

2. Seit über zwei Jahren werden Public-Private-Partnership-Branchenmodelle für eine flächendeckende Digitalisierung diskutiert, ohne dass ein Durchbruch erzielt werden konnte. Unverändert stehen die unterzeichnenden Verbände zu einem Branchenmodell mit einer nachhaltigen kulturellen und strukturellen Ausrichtung. Nachdem ein Erfolg aber kaum mehr wahrscheinlich erscheint, muss entsprechend der Bekundungen im FFA-Verwaltungsrat vom 16. Juni 2008 ein Alternativmodell für Kultur, Fläche und Mittelstand mit öffentlicher Unterstützung entwickelt werden.

3. Sollte für diese Kinos keine Lösung gefunden werden, besteht die Gefahr, dass die Digitalisierung zum Instrument der Marktbereinigung wird, die insbesondere die Programm- und Filmkunstkinos sowie die traditionellen Kinos im ländlichen Raum bedrohen würde. Unmittelbar beträfe eine Marktbereinigung aber nicht nur die unabhängigen Kinobetriebe, sondern auch den Markt für deutsche und europäische Filme und damit die europäische Produktionswirtschaft und viele mittelständische Verleihunternehmen. Bei einem Rückgang des heimischen Autoren-, Nachwuchs- und Dokumentarfilms würde gleichzeitig der Marktanteil der US-amerikanischen Produktionen steigen.

4. Die Förderung der Digitalisierung der Programm- und Filmkunstkinos durch FFA, BKM und die Länder ist demnach die logische und notwendige Ergänzung der Filmförderung.

5. Die unterzeichnenden Verbände setzen sich daher in Anlehnung an das französische Beispiel für die Entwicklung eines an die deutschen Verhältnisse angepassten Modells für Kultur, Fläche und Mittelstand ein. Hierbei sollen Erkenntnisse und Ansätze aus dem zuletzt diskutierten Branchenmodell integriert werden. Mittels einer Kulturund Strukturkomponente soll gewährleistet werden, dass auch die Programm- und Filmkunstkinos, die Traditionshäuser im ländlichen Raum sowie die kommunalen Kinos eine Chance zur Digitalisierung erhalten.

6. Um die Kostenbelastung zu begrenzen, ist die Abwärtskompatibilität der DCI-Spezifikation zu hinterfragen, sofern mindestens der bisherige Qualitäts- und Sicherheitsstandard gewährleistet ist.

7. Die unterzeichnenden Verbände fordern ein dezentrales Schlüssel- und Contentmanagement unter Aufsicht der FFA als neutraler Mittlerinstanz, um den freien Marktzugang zu gewährleisten.

8. Überdies setzen sich die unterzeichnenden Verbände dafür ein, dass unabhängig von der Entwicklung eines Alternativmodells auch die Frage der Digitalisierung der deutschen und europäischen Filmklassiker gelöst wird.

9. Die unterzeichnenden Verbände werden unmittelbar die Arbeit an einem Modell für Kultur, Fläche und Mittelstand aufnehmen und diesbezüglich das Gespräch mit Bund, FFA und Ländern suchen. Alle betroffenen Verbände und Unternehmen sind eingeladen und aufgefordert, sich an dessen Entwicklung zu beteiligen.

AG Kino-Gilde e.V. 
AG Verleih e.V. 
Bundesverband kommunale Filmarbeit e.V.